Montag, 26. Februar 2018

Fortsetzung der zweiten kuriosen Geschichte eines lang vergangenen Tages

Ich liebe das Abenteuer. Gestern zum Beispiel hatte ich den perfekten Sonntagabend. Um 22.30 Uhr kam ich vom Spätdienst nach Hause, steckte den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn um und... nichts passierte. Falls jemandem der Beginn dieser Geschichte bekannt vorkommt, so ist das korrekt. Es passierte schon wieder. Das unfassbar teure, weil unglaublich gute Türschloss, das ich im Oktober einem Schlüsselnotdienstleister abgekauft habe, ist tatsächlich bereits kaputt!

Also rief ich ihn an (iPhone-Akku: 53 Prozent). Leider - so ließ er mich wissen - befinde er sich derzeit im Saarland und könne daher meiner Bitte um einen erneuten Besuch nicht nachkommen. Stattdessen empfahl er mir einen Kollegen in Gladenbach. Rasch suchte ich im Netz nach dessen Nummer (Akku: 41 Prozent) und ließ es klingeln. Der gute Mann wirkte leicht verschlafen (wofür ich Verständnis hatte) und schlug vor, ihm meine Adresse zu simsen (wofür ich kein Verständnis hatte, weil der Akku mittlerweile bei 38 Prozent war). Genuschelt, getan. Die Antwort kam zwar nicht prompt, aber in gebotener Kürze: "bin in 40 min da". 40 Minuten sind für die Strecke Gladenbach - Dreihausen nicht eben sportlich; offenbar hatte ich es nicht mit jemandem zu tun, der Geschwindigkeit für ein wichtiges Element bei der Ausübung seines Berufs hält.

Ich nutze die Zeit, um festzustellen, dass ich fünf Euro Bargeld dabei hatte und meine Bankkarte im Esszimmer lag. Der große Vorteil am Landleben: Wir sind alle füreinander da. Wenn wir nicht schlafen. Meine Nachbarn schliefen alle. Also fuhr ich einige Straßen weiter, um nachzusehen, welche meiner Verwandten noch wach waren. (Praktisch: Sie wohnen quasi alle in unmittelbarer Nähe zueinander.) Es traf meine Cousine und deren Mann, die ich gewissermaßen auf dem Weg ins Bett abpasste und mit dem Hinweis auf einen (erneuten) Notfall um etwas Bargeld bat. Sie halfen prompt und wie selbstverständlich - ich schulde ihnen nun nicht nur Geld, sondern vor allem Dankbarkeit.

Zurück am Eigenheim stellte ich fest, dass der Schlüsseldienst-Ersatz noch nicht eingetroffen war und der Akku meines Smartphones inzwischen den Geist aufgegeben hatte. Danach war mir selbst auch, als ich frierend in der Einfahrt herumlief, um dem sehnsüchtig erwarteten nächtlichen Gast den Weg zu weisen. Zehn Minuten später als vereinbart hielt er mit quietschenden Reifen und weckte die Nachbarn, indem er mit seinem beeindruckenden Bauch hupte. Zur Begrüßung fragte er mich: "Wieso geht denn die Hupe, wenn der Schlüssel nicht steckt?" Ich antwortete sinngemäß: "Äh..." Dann verwies ich ihn auf mein eigenes Schlüsselproblem und erinnerte damit an den Grund seines Besuchs. Das sauteure, nagelneue, kaputte Schloss ist offenbar wirklich gut, denn es gelang dem Meister nicht, es zu öffnen. Stattdessen hebelte er an der Aluminiumtür herum und verzierte sie mit relativ unansehnlichen Kratzern. Die Lösung unseres Problems kam von mir, dem Laien: "Wir könnten über die Kellertür einbrechen." Ich möchte an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, aber das Ganze dauerte erschreckende dreieinhalb Minuten, und der Experte ging das Haustürschloss schließlich von innen an. Es gelang ihm tatsächlich, den Riegel wieder gangbar zu machen, und ähnlich wie sein Vorgänger teilte er sein Fachwissen mit mir: "Waffenöl. Da geht nix drüber. Kost' aber auch."

Apropos Kosten: Sein Stundenlohn plus Anfahrt war glatter Wucher, zumal er ja letztlich nicht viel getan hatte. Nun steht die Anschaffung eines weiteren Schlosses an - ich bin noch nicht ganz sicher, inwieweit sich Schlüsseldienst Nummer eins daran beteiligen wird. Immerhin ist die Tür nun fest verschlossen, und auch der Keller ist inzwischen gesichert (das nur der Vollständigkeit halber).

Auf mich warten derweil neue Abenteuer: Ich werde versuchen, Termine bei verschiedenen Fachärzten auszumachen. Als Kassenpatient. Ich muss komplett verrückt sein.

Samstag, 24. Februar 2018

Im Traum

Mit 17 hat man noch Träume... Verdammt, mit 45 auch! Die Gedanken sind frei, und manchmal fliegen sie in eine Zukunft, die es vermutlich nie geben wird. Oder doch? Oder nicht? Es spielt keine Rolle - das ist ja das Schöne an Träumen.



Menschen, die Träume wahr werden lassen, begeistern mich. Vor allem, wenn es ihnen darum geht, anderen zu helfen. Die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Vier Beispiele:

Meine ehemalige Kollegin Nadine rettet Menschenleben und sorgt dafür, dass Kinder eine Zukunft haben. Sie tut das in Afrika, und zwar in jedem Urlaub (falls man das so nennen kann). Und macht das mit einer Selbstverständlichkeit, die mich so sehr beeindruckt wie ihr Engagement.

Mehr dazu gibt es auf www.help-for-miro.de.

Der Sänger und Songschreiber Andrew Cole wurde als Schüler gemobbt. Sogar verprügelt. Weil sie offenbar gemerkt haben, dass er als künstlerische Seele "anders" ist, haben ihn seine Mitschüler ausgegrenzt. Damit es Kindern und Jugendlichen, die so sind, wie er war, nicht ähnlich ergeht, hat er das Projekt "No Joke" ins Leben gerufen. Dahinter verbergen sich ein Lied, ein Film... und ein Treffen der Stars, denn das Opfer von früher ist nicht länger allein.

Wer mehr erfahren will, sollte sich nojokefilm.com anschauen - und den Trailer:



Einer meiner liebsten Musiker ist gleichzeitig einer meiner liebsten Blogger. Meist schreibt Johnny Haeusler (Plan B) auf seinem eigenen Blog Spreeblick, aber einer seiner lesenswertesten Texte ist hier erschienen. Auszug: "Ich kann machen. Nicht alles. Nicht wahllos. Aber sobald ich etwas tun will, sobald mich eine Leidenschaft für ein Thema oder Vorhaben gepackt hat, lege ich los. Ich setze Ideen in die Tat um. Egal ob ich mich schon gut damit auskenne oder nicht, egal ob mir Menschen davon abraten, egal wie die Chancen auf Erfolg stehen. Und in den meisten Fällen klappt es auch. Nicht unbedingt und vor allem nicht ausschließlich weil ich es kann. Sondern weil ich es will."

Ich hab's nicht so mit Vorbildern, aber lest bitte den kompletten Text - dann versteht ihr, weshalb der Gedanke dahinter zumindest ein Leitbild sein kann.

Aus Bob Geldofs Autobiografie mit dem falsch übersetzten deutschen Titel "So war's" zitiere ich ungefähr wöchentlich. Der Mann hat ebenfalls einfach gemacht - nämlich mal kurz das größte Rockfestival aller Zeiten organisiert und damit viel für die so genannte Dritte Welt und unser Bild davon getan. Kauft das Buch, gerne in der Übersetzung und meinetwegen sogar hier.

Und ich? Was mache ich?

Das Übliche (hier habe ich es mal skizziert). Und träumen, weil das ein Anfang sein kann.

Mein Traum sieht ungefähr so aus: Ich lebe mit vielen Freunden auf einem riesigen Öko-Bauernhof, den wir gemeinsam betreiben. Der Landwirtschaftsbetrieb dient der Selbstversorgung, denn unser Business ist ein anderes: Wir betreiben ein Musik-Label, einen Buchverlag und einen Shop für Nerd-Kram. Unser Ziel ist, den Menschen, die unsere Songs hören, unsere Texte lesen und unsere nutzlosen, aber sinnvollen Kleinigkeiten mit nach Hause nehmen, ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Sie sollen sich gut fühlen. Und vor allem sollen sie das Bedürfnis haben, anderen Leuten ebenfalls Gutes zu tun. So dass "das Gute" sich wie ein Virus verbreitet und irgendwann den Planeten erobert. Um ihn zu retten. Wir wollen motivieren, stärken, da sein.

Diesen Traum habe ich schon sehr lange. Aber in den vergangenen Tagen habe ich wieder etwas häufiger geträumt. Denn auf einmal geht der viel beschworene Ruck durch die Republik, vielleicht die Welt, auf jeden Fall durchs Netz.
 Und natürlich:



Frei nach ...But Alive: Vielleicht hatte Martin Luther King doch irgendwo Recht.

Freitag, 9. Februar 2018

Wie "Mein Dogma (V)" zum Geschwätz von gestern wurde

Da hat der Mann mit den Haaren im Gesicht ganz schön daneben gelangt. Lässt sich mit seiner Freundin beim Planschen im Pool ablichten, während die Bundeswehr in Mazedonien einrückt... Moment - was soll Schulz gemacht haben? Nicht Schulz. Scharping. 2002.

Da hat der Mann mit den Haaren im Gesicht ganz schön daneben gelangt. Lässt sich mit den Linken beim Planschen im Zauberbad erwischen, während die restliche Republik noch die Mauertoten betrauert... Moment - das war doch auch nicht Schulz, oder? Nein, war er nicht. Platzeck. 2009.

Knapp ein Jahrzehnt später gibt der Mann mit den Haaren im Gesicht wirklich alles, um dieser sozialdemokratischen Tradition treu zu bleiben. Ja, diesmal ist Schulz gemeint. Und nein, mehr an Wortspielen und Albernheiten gibt's zu ihm an dieser Stelle nicht. Die stecken mir nämlich im Hals, und mit Schluckbeschwerden ist nicht gut kalauern.

Daher ernsthaft: Was zur Hölle ist denn da los? Wie kann eine Partei, der immerhin 20,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme gegeben haben, es wagen, ein derart kindisches Verhalten an den Tag zu legen? Und mit welchem Ziel tut sie das?
So lässt sich in der Tat ganz gut zusammenfassen, was in den vergangenen Wochen an sozialdemokratischer Politik passiert ist, wenn es darum ging, eine Bundesregierung zu schaffen. Ja, nein, vielleicht, Geschwätz von gestern, Geschachere von heute, Gefahr für morgen... Wenn man bedenkt, dass ich eines jener Mitglieder bin, die demnächst aufgefordert werden, ihre Meinung zu jenem fragilen Konstrukt abzugeben, das da als Endprodukt zäher Koalitionsverhandlungen zitternd am Abgrund steht, bin ich ganz schön ratlos.

Was ich will? Keine Ahnung.

Mir gefiel der Gedanke einer sozialdemokratischen Opposition. In dieser Ecke hätte die SPD die Chance gehabt, Wunden verheilen zu lassen, in den Blecheimer zu spucken und mit frischem Zahnschutz in die nächsten vier Runden zu springen. Sogar den Meistertitel sah ich in Reichweite, wenn sie zäh und willensstark geblieben wäre. Und sich vor allem auf ihre Wurzeln besonnen hätte.

Andererseits erkenne selbst ich als GroKo-Gegner durchaus deren Vorteil. Denn so absurd es klingt: Etwas vom Grundsatz derart Demokratiefeindliches ist vielleicht die einzige Waffe gegen die wahren Feinde der Demokratie. Die sitzen nämlich - daran ändern die Grabenkämpfe der Genossen nichts - definitiv im Bundestag. Gewählt von zwölf Prozent, was nicht nur im Vergleich zu den erwähnten 20,5 zuviel ist, um noch ruhig schlafen zu können.




Ich weiß immerhin, was ich nicht will. Ich will keine SPD, die sich selbst demontiert. Denn dass sie darin wirklich gut ist, beweist sie seit Jahrzehnten und gewinnt dabei zunehmen an Geschwindigkeit. Ich will keine Parteispitze, die aus verbrannten Greisen besteht statt jungen Wilden eine Chance zu bieten, dem Wort Erneuerung seine ursprüngliche Bedeutung zurückzugeben.

Und vor allem will ich niemanden dort oben sehen, der sich in wenigen Wochen derart häufig selbst widerspricht - ach was: als Lügner erweist - wie Martin Schulz.

Seit Ende 2016 bin ich Mitglied der SPD. Mal schauen, wie lange noch. Sollte ich die Partei verlassen und mich jemand nach den Gründen dafür fragen, kenne ich meine Antwort schon jetzt: Der Mann mit den Haaren im Gesicht hat daneben gelangt.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Herzensangelegenheiten

17. August 1960: Irgendwie ist er unzufrieden. Klar: Sie dürfen heute live auftreten, und das Publikum hier in Hamburg scheint sie zu mögen. Aber sein bester Kumpel ist ihm immer ein bisschen zu gut gelaunt, der andere Gitarrist ein wenig zu ambitioniert, und der Schlagzeuger kommt immer seltener zur Bandprobe. Außerdem fehlt ihm die schlechte Luft von Liverpool. Wer hätte das gedacht? Eines Tages, da ist er sicher, werden sie die größte Band der Welt sein. Größer als Jesus. Eine Revolution starten. Man muss es sich nur vorstellen.

18. Juni 1967: Brian Jones nennt ihn einen Freund und "den aufregendsten Performer, den ich je gehört habe". Die Massen vor der Bühne jubeln, aber sie jubeln praktisch immer. Gras und Liebe überall, sie träumen von einer besseren Zeit. Er will eigentlich nur Musik machen, die Musik in seinem Kopf und seinem Herzen. Er spielt die Gitarre wie niemand zuvor. Sie ist ihm Geliebte und Gegner, Anker in der Not und Brücke nach außen. Er lässt sie singen und schreien und weinen. Dann spielt er einen Song von Bob Dylan und verändert die Welt.



16. August 1974: Ihr Konzept geht auf. Gleiche Frisuren, gleiche Klamotten, kein Song über drei Minuten. "One, two, three, four", zählt der Bassist an. Sie rocken das CBGB's, sie rocken das New Yorker Publikum. Drei Betrunkene, den Barkeeper und einen Hund. Selbst die sind hier mehr Kunst gewohnt, weniger Krach. Dass Krach Kunst ist, verstehen sie schnell. Es geht um Geschwindigkeit, um Freiheit, um das Leben. Keine Zeit für viele Gedanken oder schlechte Stimmung. Popmusik, aber lauter. Auch das gehört zum Konzept. One, two, three, four.

16. August 1975: Er mag es nicht, vor ausgewähltem Publikum zu spielen. Lieber singt er für die einfachen Menschen da draußen, deren Geschichten er in seinen Liedern erzählt. Aber ihr neues Album steht an, und die Plattenfirma will die Songs vorstellen. Also ist das Bottom Line in New York eben der Ort, wo sie beweisen, was sie können. Dass er und die Jungs längst eine gut geölte Maschine sind, geschmiedet auf den Bühnen im ganzen Land. Einer der Zuschauer macht sich Notizen. "Ich habe die Zukunft des Rock'n'Roll gesehen", steht da.

26. März 1985: Endlich auf die Bühne. Raus aus dem vergammelten Proberaum, der eigentlich ihr Wohnzimmer war. Er stöpselt seine Gitarre ein und legt los. Vor ihm krächzt der Sänger die ersten Zeilen ins Mikro, neben ihm starren der Bassist und der andere Gitarrist verbissen auf ihre Instrumente. Der Drummer, da ist er sicher, konzentriert sich lieber auf den Sitz seiner Frisur. Die Songs sind gut, das weiß er genau. Und er weiß auch, dass er sie irgendwann in riesigen Stadien spielen wird, für ein riesiges Publikum und mit riesigem Sound. Er blickt nach vorne zum Publikum. Dort stehen zwei Leute.

13. Juli 1985: Gott sei auf der Suche gewesen nach einem, der etwas gegen den Hunger in der Welt unternimmt, schreibt er später in seiner Autobiografie. Doch er habe sich vertan und an der falschen Tür geklingelt - ein gammeliger Ire machte auf. "Egal", habe Gott gedacht, "der tut's auch." Und das stimmt: Er tut etwas. Er macht, während andere nur reden. Er hat sie alle zusammengetrommelt, die Größten der Rockszene, und gemeinsam singen sie für eine gute Sache. Es ist das größte Festival aller Zeiten, und er hat es fast im Alleingang organisiert. Vielleicht hat Gott sich gar nicht geirrt?

17. August 1991: Jetzt wollen sie auch noch ein Video. Niemals hatte er vor, einen verdammten Hit zu schreiben. Seine Angst und seine Wut sollten vertont werden, die mussten raus. Mal laut, mal leise, beides im gleichen Song. Mehr nicht. Und plötzlich halten alle ihn für den Retter des Rock. Sein Magen schmerzt schon seit Tagen, wie eigentlich fast immer, seine schlechten Angewohnheiten sind wieder da. Die beiden anderen haben Verständnis für ihn, sind jedoch nicht die Stütze, die er braucht. Auch seine Freundin ist das nicht. Niemand ist das. Er fühlt sich allein. Und singt zynisch darüber, andere zu unterhalten. Er weiß nicht, ob er das noch lange erträgt.

Sieben Streiflichter von tausend möglichen. Um mal ein paar Helden zu danken.

Montag, 11. Dezember 2017

Team Keaton

Wenn mich in den vergangenen Monaten etwas Nicht-Persönliches berührt hat, dann ist das die Geschichte von Keaton Jones. Keaton ist ein kleiner Junge aus Tennessee, und er hat der Welt etwas zu sagen. Deswegen hat er seine Mutter gebeten, ihn mit dem Smartphone zu filmen. Unter Tränen erzählt er davon, wie er immer und immer wieder von anderen Schülern drangsaliert wird, wie sie ihn quälen, sich über sein Aussehen lustig und ihm das Leben zur Hölle machen. "Menschen, die anders sind, brauchen deshalb nicht kritisiert zu werden", sagt er unter anderem. "Es ist nicht ihre Schuld."

Ich stelle das Video hier bewusst nicht dazu, weil es wirklich dazu angetan ist, einem das Herz zu brechen - hier ist es zu finden. Innerhalb weniger Tage hat der Junge, der keine Freunde hatte, den größten Freundeskreis der Welt bekommen. Ungezählte Menschen solidarisieren sich mit ihm per Twitter und Facebook, aber sie besuchen ihn auch zu Hause in Tennessee. Unter ihnen sind ein Dutzend prominenter Sportmannschaften, deren bekannteste Spieler, aber auch erfolgreiche Musiker und Schauspieler, unter anderem ungefähr der komplette Cast von "Avengers: Infinity War".

Die gute Nachricht: Keaton kann wieder lachen - und einen Tweet dazu stelle ich gerne hier ein:
Und er ist zum Vorbild, zur Stimme für all jene geworden, denen es so ergeht wie ihm, die in sehr jungen Jahren schmerzhaft lernen, wie grausam die Welt und die Menschen darin sein können. Beeindruckender kleiner Kerl.

Warum mich seine Story so berührt? Weil sie mich an weniger lustige Zeiten erinnert, die ich selbst erlebt habe, als ich in seinem Alter war. Ich spreche darüber nicht besonders gern, habe sogar die Klappe gehalten, wenn andere mutiger waren und ihre entsprechende Geschichte erzählt haben. Vermutlich habe ich diese Erfahrungen auch ein bisschen verdrängt. Nun wurde ich dieses Jahr zum dritten Mal daran erinnert und kann bestätigen, dass es irgendwann besser wird. Der Schlüssel ist Selbstbewusstsein (und zwar im Wortsinn, aber auch in der klassischen Bedeutung).

Jeder Mensch ist etwas wert. Ob er ein Keaton ist oder einem Keaton begegnet - es ist wichtig, sich das ab und zu ins Bewusstsein zu rufen.

(Kleines Update: Natürlich ist dies das Internet, und natürlich hat das Leben immer zwei Seiten. Inzwischen wurden Fotos und Screenshots veröffentlicht, die Keatons Mutter als zumindest sehr reaktionär darstellen. Außerdem hat jemand unter ihrem Namen eine Spendensammlung eröffnet.

Dazu ist zu sagen, dass die Familie abstreitet, etwas mit dem Spendenaufruf zu tun zu haben, und es vergleichsweise einfach ist, sich online als jemand anderes auszugeben. Und zum erstgenannten Vorwurf genügt mir persönlich das Foto im Tweet. Sieht für mich nicht nach Rassismus aus. Zumal wir über einen kleinen Jungen reden, der viel durchgemacht hat, nicht darüber, welche Fehler seine Mutter begangen haben mag. Haters gonna hate. Mehr dazu gibt's hier.

Noch ein kleines Update (und mich ärgert, dass das nötig ist): Mittlerweile erlebt die Familie einen Shitstorm, steht also zwischen zwei Wellen, und das ist sehr unnötig. Grundsätzlich geht es einfach um einen kleinen Jungen, der gemobbt wurde. Wer an Fakten interessiert ist, sollte sich das hier anschauen. Und es ansonsten so halten:
Und so:
Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.)

Montag, 20. November 2017

An der Kasse

Abenteuer Lebensmittelmarkt: Ich habe für vieles Verständnis. Nicht für alles, aber meist versuche ich zumindest, die Handlungen und Sichtweisen meiner Mitmenschen nachzuvollziehen. An der Supermarktkasse gerate ich jedoch mitunter an meine Grenzen.

Ich verstehe beispielsweise das Konzept des Warentrenners nicht, wenn zwischen den einzelnen Warenstapeln mehrere Meter Abstand herrschen und es also faktisch nichts zu trennen gibt. Aber auch das aggressive Verhalten einiger Kunden kurz vor der Kasse kann ich nicht recht nachvollziehen. Wieviele Minuten Zeitersparnis bringt es ihnen, in der Schlange etwas weiter vorne zu stehen? Und warum zur Hölle haben sie alle Zeit der Welt, sobald sie an der Reihe sind - sprich: es ans Bezahlen geht?

Kürzlich stand ich armes Würstchen mit einem ebensolchen und einem Joghurt in Händen leicht irritiert hinter einer älteren Dame, die mich zuvor mit giftigem Blick und spitzen Ellbogen beiseite gedrängt hatte. Zu ihren Einkäufen - die sie selbstverständlich mit mindestens einem Warentrenner von meinen Waren trennte - gehörte unter anderem eine kleine Packung Schokoherzen. Schlagartig sehr entspannt fragte sie die Kassiererin, ob jene wie im Werbeprospekt versprochen 79 Cent kosteten oder man die ausgepreisten 89 Cent bezahlen müsse. Nicht jeder hat das Geld locker sitzen, das ist mir bewusst. Der Mantel mit Echtpelz am Kragen brachte mich zwar auf den Gedanken, dass die Dame vermutlich keine finanziellen Sorgen habe, aber sei's drum. (Er machte sie übrigens auch nicht sympathischer.) Die Kassiererin gab alles, um den tatsächlichen Wert besagter Herzen herauszufinden. Unter anderem führte sie ein längeres Telefonat mit jemandem namens "Duanne", was man übrigens nicht "Dwayne", sondern "Du, Anne" ausspricht. Sie beendete das Gespräch mit einigen guten Wünschen für ihre Kollegin, aber ohne ein Ergebnis, das zur Beantwortung der Frage der Seniorin beigetragen hätte.

Diese reagiert unwirsch, verzichtete aber sicherheitshalber auf den Kauf der Schokoherzen. Bis Weihnachten ist es ja auch noch ein wenig hin. Als nächstes wurde sie von der Kassiererin darüber aufgeklärt, dass man als Kunde die Plastikkörbe, die im Markt bereitstehen, nicht unentgeltlich mit nach Hause nehmen dürfe. Dies schien sie zu überraschen; augenscheinlich waren ihr die Preisetiketten an den in der Herstellung vergleichsweise günstigen Papiertüten und Stoffbeuteln entgangen. Nun doch leicht erbost bezahlte sie ihre restlichen (also schokoherzlosen) Einkäufe.

Die Summe belief sich auf sechs Euro und achtundneunzig Cent. Selbstverständlich hatte die gute Frau diesen Betrag passend. Allerdings nicht parat, ohnehin musste sie zunächst - sichtlich überrascht vom plötzlichen Bezahlvorgang - ihre Geldbörse suchen. Dieser entnahm sie schließlich die geforderte Summe in möglichst kleinen Geldstücken. Sie tat das sehr sorgfältig und ohne unnötige Hast - mich zur Seite zu schubsen hatte ihr offenbar tatsächlich einen beachtlichen Zeitvorteil verschafft. Vielleicht musste sie auch im Gegensatz zu mir nicht zurück an ihren Arbeitsplatz. Ältere Damen im Pelz gehen ja oft keiner regelmäßigen Tätigkeit mehr nach, um ihr Auskommen zu sichern.

Kurze Zeit darauf - inzwischen hatte auch ich die Wurst und den Joghurt bezahlt - sah ich die wackere Greisin auf dem Parkplatz des Lebensmittelmarktes wieder. Sie schlug gerade die Fahrertür ihres neuen Mercedes gegen die Beifahrertür meines alten Fiat. Aber ich habe ja für vieles Verständnis.

Dienstag, 14. November 2017

Gude und Moin: Expedition in den Comic-Untergrund

Nachdem ich mich hier über einige meiner liebsten Comics ausgelassen habe, geht es diesmal etwas tiefer in die Materie - besser: in den Untergrund. Die Frage, was Underground-Comics sind, ist so schwer zu beantworten wie die nach Independent-Kino oder Alternative-Musik. Die beiden Beispiele, mit denen ich mich hier beschäftige, sind allerdings definitiv Untergrund, nämlich von Enthusiasten im Kleinen mit viel Liebe geschaffen und veröffentlicht. Sie unterscheiden sich durch drei Jahrzehnte zeitlichen und 360 Kilometer geografischen Abstand. Und um ehrlich zu sein: Sie unterscheiden sich auch sehr in Sachen Qualität.

Es muss so um 1984 herum gewesen sein, als ich zum ersten Mal in Kontakt mit einem Comic-Magazin kam, das nicht im örtlichen Zeitschriftenladen, nicht im einzigen Kiosk der Stadt, nicht auf dem Wühltisch des Supermarktes und nicht mal auf den Flohmärkten der Umgebung erhältlich war. Dort hatte ich in den vergangenen zwei, drei Jahren ungefähr alles eingesammelt, was an Superhelden- oder Horror-Comics zu haben war. Mein Kinderzimmer füllte sich mit bunten Heften, Alben und Taschenbüchern, einiges davon aus einer Zeit, die ich nicht bewusst erlebt habe, anderes aktueller und teils mit fragwürdigen Tricks für Schnäppchenpreise erworben. (Streng genommen nutzte ich die Nachlässigkeit der Kassiererinnen aus. Naja, dürfte inzwischen verjährt sein.) Aber alles, wofür ich mein Taschengeld rausrückte, wurde publiziert von großen Verlagen und war zumindest zum Erscheinungszeitpunkt nicht besonders schwer zu bekommen. Ein elfjähriger Schüler in einer hessischen Kleinstadt der 80er ist nicht gerade der größte Jäger. Dafür ist er notfalls ein begabter und geduldiger Sammler. Mit Kartons voller Comicheften und Schränken voller Taschenbücher und Alben.

Jedenfalls verschlug es mich eines Tages irgendwie in einen kleinen Laden in der Gegend, aus der wir gerade weggezogen waren. Das liest sich jetzt eventuell aufregender als es tatsächlich war: Wir reden einfach über eine andere Straße jener kleinen Stadt in Hessen. Jedenfalls: Zwischen unserer früheren Wohnung und dem Lebensmittelgeschäft, in dem man mir noch kurze Zeit zuvor das obligatorische Stückchen Fleischwurst aufgedrängt hatte, lag ein eher spartanisch eingerichtetes Räumchen, in dem ein junger Mann mit lila Halstuch unter anderem Bücher verkaufte. Ich kann heute nur raten, was mich dort reingeführt haben mag - vermutlich die Suche nach weiteren Science-Fiction-Büchern und eben Comics. Letztgenannte führte der Laden tatsächlich. Aber sie waren anders als alles, was ich aus diesem Genre bis dato kannte. Völlig anders.

"Duty Free" nannte sich das Magazin, das dort im Holzregal lag. Offenbar gab es einen Vorgänger namens "Zollfrei" (das entnahm ich den Eigenanzeigen) und einen Vorvorgänger mit dem schönen Namen "Hand und Fuß", dessen einzige Ausgabe man ebenfalls erwerben konnte. Diese bestand aus ein paar zusammengehefteten Schwarz-weiß-Seiten, die mit kaum lustigen Wortspielen und eher unlustigen Cartoons bedruckt waren. Auffallend: die unterschiedlichen Zeichenstile, die von Kritzeleien für den Hausgebrauch bis zu detaillierter Linienführung reichten. Das eigentliche "Duty Free" führte dieses Konzept der Konzeptlosigkeit fort: Farbe fand gleich- und allenfalls auf der Titelseite statt (ziemlich sicher aus Kostengründen), der Inhalt war dennoch ein buntes Sammelsurium von Geschichten. Mich sprach besonders an, dass einige davon durchaus Lokalkolorit versprühten. Das kleine Lädchen führte auch "Werner"-Comics - die kannte ich natürlich, ich mochte sie auch. Aber ich bin eben Hesse, kein Nordlicht. Storys über die Startbahn 18 West waren mir seinerzeit einfach näher als solche über Flaschbier-Konsum an der Waterkant. (Zu diesem Thema später mehr. Aus Gründen.) Grundsätzlich faszinierte mich, dass da jemand mit ähnlich beknackten Ideen, wie mein juveniler Schädel sie ausbrütete, und teilweise mit einem ähnlich überschaubaren Zeichentalent wie meinem - das damals noch zwischen "okay" und "ganz gut" pendelte - den Mumm hatte, aus beidem ein Comic-Magazin zusammenzuzimmern. Und dass es kleine, fast leere Läden gab, die sowas verkauften.

Ich nahm gleich den kompletten Satz - seinerzeit war das durchaus eine beachtliche Ausgabe für mich - und schleppte ihn zufrieden nach Hause. Ein neues Universum öffnete seine Tore. Es war schwarz-weiß, aber nicht farblos, es war durchgeknallt, komplett irre und angenehm anarchistisch. Es machte höllisch Spaß. Es gab eine Welt jenseits der muskelbepackten Helden und grotesken Monster, die ich so liebte. Sie lag sogar jenseits der verfressenen Kater und grummeligen Wikinger, die zumindest ebenfalls in Sachen Humor unterwegs waren. Später wanderten meine "Duty Free"-Exemplare in Klarsichtfolien und Aktenordner. Von einem Holzregal ins nächste, mit dem Umweg über Hirn und Herz eines jungen Comicfans, für den seit jenem Tag im kleinen leeren Laden alles anders ist. Wie das aber so ist mit der Zeit: Ihr steter Fluss bringt Veränderungen mit sich. Aus vielversprechenden Toren in fremde Universen werden verblichene Erinnerungen. Da ist es gut, wenn man manche davon sorgfältig aufbewahrt, eben nicht nur im Kleinhirn, sondern durchaus buchstäblich. Blätternde Zeitreisen sind zum Greifen nah - und dann und wann werfe ich tatsächlich noch einen Blick in das Schaffen jener nach wie vor unbekannten Kleinkünstler.

Dabei fällt auf, dass Klarsichtfolien zwar dem Zahn der Zeit trotzen, ihr Inhalt dies jedoch mitunter nicht ganz unbeschadet schafft. Was damals aufregend war, wirkt heute eher betulich. Was früher neu und modern daherkam, wirkt inzwischen zurecht retro. "Duty Free" ist ein Kind seiner Zeit, ist vor allem in Sachen Layout und Schrifttypen so sehr 80er wie die Magazine jener Ära. Der dreckige kleine Bruder von "Wiener" und "Prinz", die Comic-"Bravo" für den kleinen Anarcho, das Gegenstück zu Massenprodukten, denen wir heute nostalgisch nachtrauern - klar macht es Spaß, in Erinnerungen zu schwelgen, den Machern dürfte manches jedoch inzwischen peinlich sein. Jugendsünden sind das, auch für mich als Sammler, aber missen möchte ich sie auf keinen Fall. Wer weiß, vielleicht wäre ich ohne den seltsamen Laden mit seinem noch seltsameren Hüter nie auf den Gedanken gekommen, auch mal über den Tellerrand zu gucken und dort Abseitiges zu entdecken. Und das wäre sehr schade gewesen - sogar ein Verlust. Wer sich selbst mal einen Eindruck davon verschaffen will, was damals in der Rhein-Main-Szene grassierte, muss schon einiges an Geschick und Hartnäckigkeit aufwenden. Wie das eben so ist mit dem Untergrund, auch und gerade in Sachen Comics - die Suche danach ist ein kleines Abenteuer.

Oder nicht? Die Zeiten haben sich geändert - das gilt glücklicherweise auch für Vertriebswege. Wer heute mal antesten will, was an unabhängigen Produkten in der bundesrepublikanischen Welt der bunten Bilder kursiert, hat es vergleichsweise einfach. Das eingangs skizzierte Tor nach draußen (beziehungsweise unten) ist nämlich nur noch einen Mausklick entfernt. Vor kurzem stieß ich beispielsweise auf einen kleinen Verlag in Vögelsen bei Lüneburg: Er trägt den sehr passenden Namen Der Buddelfisch und hat sich Geschichten verschrieben, die gleichfalls im Norden zu Hause sind. Begeistert schrieb ich seinerzeit meinem Facebook-Publikum den folgenden Tipp: "Moin! Ihr mögt Wind und Wellen, Norddeutschland und Friesenkrimis, aber auch Comics und Geistergeschichten (also quasi wie ich)? Dann schaut euch mal die Storys an, die Der Buddelfisch online zum Lesen anbietet. Da gehen der olle Klaus Störtebeker und der Klabautermann um, und wortkarge Waterkant-Gesellen fackeln nicht lange, sondern höchstens ab... (Und das alles übrigens so legal wie gratis.) Auch nach Halloween noch einen Klick wert."

Dem ist zumindest inhaltlich kaum etwas hinzuzufügen. Tatsächlich kann man hier einiges aus dem sehr empfehlenswerten Programm des Kleinverlags online lesen. Viel, viel besser ist es allerdings, sich die Comics als tatsächliche Hefte nach Hause zu holen. Zum einen unterstützt man dadurch eine muntere Truppe Enthusiasten, die vor allem einen monetären Griff unter die Arme vermutlich durchaus gebrauchen können. Zum anderen ist man dann der Besitzer von wirklich großartig gemachten, sehr hochwertig gedruckten Comics von der Küste - ich gehe sogar soweit, zu behaupten, eben diese gehören in jeden guten Haushalt. (Bonus-Tipp für Ungeduldige: Wenn man zwei Tage nach der Überweisung per Mail rumnörgelt, dass die Ware noch immer nicht vorliege, wird daraus ein sehr freundlicher Dialog mit Herausgeber Sebastian Kempke, der darüberhinaus jedes Exemplar signiert. Dies tut er allerdings auch, wenn man nicht ungeduldig nervt.)

Flaggschiff im Programm der Buddelfischer ist die Serie "Sturmboje". "Jan Storm und Kris Kundrisson gehen einer eher ungewöhnlichen Beschäftigung nach", heißt es dazu im Online-Auftritt des Verlags. "Ob tief in den Eingeweiden verstaubter Spukhäuser, auf den peitschenden Wellen der Nordsee oder mitten unter uns, in den Städten und Dörfern, die beiden sind dem Unheimlichen auf der Spur." Umgesetzt sind die humorvollen Gruselgeschichten als Mischung aus funny-infizierten Abenteuer-Comics, wie sie oft aus dem franko-belgischen Raum stammen, und bewusster Hommage an die verqueren Storys klassischer Groschenromane à la "John Sinclair". Dank sorgfältiger Erzählweise und eines flotten Zeichenstils ist das Ergebnis atmosphärisch dicht und atmet in jedem Panel die salzige Seeluft seiner Handlungsorte. Weiter oben habe ich behauptet, norddeutsche Geschichten seien mir geografisch ferner als jene aus meiner hessischen Heimat - emotional sind sie es nicht. Wer sämtliche Urlaube seiner Kindheit und auch noch ein paar danach an der Nordsee verbracht hat, bleibt offenbar ein Friesenjung im Geiste.

Zusätzlich zu drei wirklich sehr lesenswerten "Sturmboje"-Comics habe ich noch den Band "Grundkurs Mord" geordert. Vanessa Drossel und Mareike Hansen haben damit einen Comic-Krimi geschaffen, der vor allem "Tatort"-Gucker wie mich ansprechen dürfte. Der Fall der Kieler Polizisten Tanja Sievers und Christian Henning erinnert im Aufbau, aber auch in Sachen Spannung an die besten Folgen der Fernsehreihe. Viel Wortwitz in den Dialogen, durchaus brutale Verbrechen und natürlich das kaputte Privatleben der beiden Ermittler sorgen dafür, dass man sich rasch zu Hause fühlt - und das nicht nur am Sonntagabend. Wenn Ihr also gerade dabei seid, euch die absurd-unterhaltsamen Spukgeschichten zu bestellen, klickt euch diesen realistischen Krimi gleich noch dazu. Es lohnt sich - versprochen. (Das gilt übrigens auch für ein Like auf der Facebook-Seite des Verlags und ein wenig Stöbern in dessen restlichem Angebot.)

30 Jahre nach meinen ersten zaghaften Schritten in den Comic-Untergrund der Republik ist dieser also lebendiger denn je. Und statt mit "Gude" grüßt er heute mit "Moin".